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Dienstag, 27. September 2011, 16:52

Online-Abzocke trifft Millionen deutscher Nutzer

Wie viele Onliner werden mit falschen Angeboten abgezockt? Die
bisher umfangreichste Umfrage zum Thema liefert viele, teils
überraschende Erkenntnisse. Allein mit Abo-Fallen sollen nach der
Erhebung des Infas-Instituts binnen zwei Jahren 5,4 Millionen Deutsche
hereingelegt worden sein.
Für die Verbraucherzentralen ist die Abzocke Alltag

Bei den Verbraucherzentralen entfallen auf Internet-Abzocke etwa "20
bis 30 Prozent aller Beratungen", sagt dazu Thomas Bradler von der
Verbraucherzentrale NRW, die im Monat rund 22.000 Beschwerden zum Thema
Abo-Falle zählt. Bradler: "Konkrete Zahlen, wie viele Betroffene
letztlich zahlen oder wie hoch der finanzielle Schaden ist, können wir
nicht liefern. Wir beraten Abo-Fallen-Opfer in der Regel dahingehend,
dass sie nicht zahlen sollen. In den allermeisten Fällen können wir
keinen wirksamen Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags
feststellen."

Das bezieht sich allerdings auf den Teil der Nutzerschaft, der
überhaupt Beratung sucht, wenn das Mahnschreiben eintrudelt. Dass es
genügend Menschen gibt, die auf den Bluff hereinfallen, steht aber außer
Frage: In allen Fällen, in denen der Justiz der Zugriff auf solche
Abzocker gelang, entdeckten die Fahnder, dass Tausende von Betroffenen
gezahlt hatten. Zuletzt gelang im Februar 2011 der Zugriff auf ein
Betrügerpaar, das mit Freeware-Downloads und sinnfreien Testseiten rund
65.000 Menschen um einen mehrstelligen Millionenbetrag gebracht hatte.
Thomas Bradler: "Die 'erfolgreichsten'
Abo-Fallen
dürften die sein, in denen Routenplanung oder Freeware kostenpflichtig
angeboten werden. Da die Verbraucher hier am allerwenigsten mit Kosten
rechnen - normalerweise ist so etwas kostenfrei verfügbar -, fallen auch
die meisten darauf rein. Zweifelhaften Ruhm haben aber auch
Kostenfallen zu Mitfahrzentralen und Outlets."

Von wegen DAU: Erfahrung ist kein Schutz

Das überrascht auch, weil
die grundsätzlichen Maschen
eigentlich seit Jahren bekannt sind. Doch - und das ist das wohl
überraschendste Ergebnis der Infas-Studie - Erfahrung schützt nicht vor
Schaden.
Ob eine Person Opfer eines Internetbetrugs werde, hänge auch von der
Intensität ihrer Online-Aktivitäten ab. Je häufiger jemand online Waren
oder Dienstleistungen einkaufe, desto öfter habe er Erfahrungen mit
Betrug beim Online-Shoppen gemacht. Ähnliches gelte für andere
Betrugsmaschen. Unerfahrene Neulinge würden im Netz also nicht
überdurchschnittlich oft "über den Tisch gezogen". Erfahrene und häufige
Surfer, die die Gefahren eigentlich kennen dürften, treffe es öfter.
Beim Warenbetrug, der am schwersten zu erkennenden Abzock-Masche, sei
dies ganz klar zu sehen: Bei den regelmäßigen Online-Käufern sei der
Anteil der Geschädigten mit 16 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei
Gelegenheitskäufern - Gelegenheit macht Abzock-Opfer. Und das alles sei
dann noch nicht einmal von soziodemografischen Faktoren abhängig, es
erwische alle mehr oder minder gleichmäßig.

"Der Zusammenhang zwischen Online-Aktivität und Betrugsrisiko", heißt
es in einer für SPIEGEL ONLINE zusammengestellten Analyse des
Zahlenmaterials, "lässt erwarten, dass die Zahl der Delikte in den
kommenden Jahren noch deutlich zunehmen wird. Zum einen steigern viele
Surfer ihre Online-Frequenz noch oder kaufen häufiger im Netz; zum
anderen gewinnt das Internet nach wie vor neue Nutzer hinzu".

Quelle: spiegel.de