Eine Lobrede des französischen Regierungschefs François Fillon auf die deutsche Reformpolitik hat den sozialistischen Abgeordneten Henri Emmanuelli aus der Haut fahren lassen: Der Regionalpolitiker aus Südwestfrankreich zeigte dem Premierminister im Parlament den Stinkefinger.
Es müsse doch möglich sein, in einer politischen Diskussion ein gewisses Niveau zu wahren, wies ihn sein Kollege Arnaud Montebourg zurecht. Besser sei es, sich bestimmte Gesten "zu sparen". Emmanuelli, ein Abgeordneter aus der südwestfranzösischen Region Landes, hatte dem konservativen Premierminister zuvor den Stinkefinger gezeigt, als dieser die Steuerpolitik der Regierung verteidigte.
Abgeordneter bestreitet obszöne Geste
"Es stimmt, Herr Emmanuelli, ein Land steht besser da als wir, nämlich Deutschland", sagte Fillon. "Und warum steht Deutschland besser da? Weil Deutschland schon früher, unter der Regierung von Herrn (Gerhard) Schröder, die Reformen unternommen hat, die wir jetzt gerade angehen." Wie auf der Internetseite der französischen Nationalversammlung und bei der Live-Übertragung im Fernsehsender France 3 zu sehen war, bedachte der sozialistische Abgeordnete den Regierungschef daraufhin mit der obszönen Geste, die er jedoch später bestritt.
"Fantasieren Sie ruhig weiter, ich weiß nicht, wovon sie reden", antwortete Emmanuelli auf Nachfragen nach der Sitzung. Kurz darauf ergriff er vor den übrigen Abgeordneten das Wort und sagte, es gehe ein Foto um, auf dem er dem Regierungschef "scheinbar" den Finger zeige. "Ich habe dem Premierminister nicht den Stinkefinger gezeigt", betonte Emmanuelli. Sollte seine Geste so ausgelegt worden sein, tue es ihm leid. "Ich bin groß genug und habe genügend Erfahrung, um ihm zu sagen, was ich zu sagen habe, ohne unangemessene Gesten."
Quelle:
Franzoesischen-parlament